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"Anzeiger von Uster" vom 24. September 2002

Temperamentvolles Kastagnetten-Spiel

Flamenco-Abend mit der Grupo Hechizo Flamenco im Chimlisaal Schwerzenbach

jcg. Die zwei Tänzerinnen und vier Musikerinnen und Musiker der Zürcher Grupo Hechizo Flamenco entführten das Publikum im vollen Schwerzenbacher Chimlisaal mit ihrer feurigen Performance am Sonntagabend ins südlichste Andalusien. Der ebenso stolze wie anmutige Tanz und die authentisch dargebrachte Musik ergänzten einander dabei geradezu perfekt.

Wer vom klassischen Ballett, aber auch vom Jazztanz her kommt, dem eröffnen sich beim Flamenco neue Welten. Der Impuls geht bei diesem Tanz nicht etwa vom Vorderfuss oder von den Hüften aus - nein, in den Fersen, die fast stepptanzartig ständig den Takt stampfen, liegt die Magie dieser uralten spanischen Tradition. Aber auch die Stolzheit des Auftretens sowie das filigrane, zigeunerhafte Spiel der Arme und Finger, das Kastagnetten-Spiel und das Klatschen sind ebenso wichtige Bestandteile dieser Kunst. All dies hatten Judith Hardegger und Barbara Hass, zwei gebürtige Schwerzenbacherinnen, bei ihrem Auftritt im Chimlisaal in höchster Perfektion intus. Klar, dass minutenlanger Applaus und gleich eine Reihe von Zugaben folgen mussten.

Band als ebenbürtige Partnerin der Tanzenden

Ebenso zentral für den Flamenco wie der Tanz ist freilich die Musik. Und die vierköpfige, multikulturelle Band der seit fünf Jahren zusammen arbeitenden Grupo Hechizo (Zauber) Flamenco erwies sich als mindestens ebenbürtige Partnerin der beiden Tänzerinnen. Im Zentrum stand dabei die schwergewichtige und stimmgewaltige, in Bulgarien geborene Sängerin Diana Weber. Teils sang sie Lieder über vergangene Liebe und Sehnsucht nach alten Zeiten, teils beschränkte sie sich auf Klatschen und «Olé»-Rufe, und manchmal war ihr Gesang schlicht ein unartikuliertes, lautes Schluchzen, das direkt aus dem Orient zu kommen schien. Der Gitarrist Oliver Bosshard begeisterte nicht nur durch seine filigrane Anschlagtechnik und seine gefühlvollen Soli - bei der Zugabe legte er zum allgemeinen Vergnügen gar selber einen einminütigen, waschechten Flamenco hin.

Wie im südlichsten Zipfel von Andalusien

Roland Senft am Bandoneon und der kalifornischstämmige Perkussionist Mark Brazil sorgten ihrerseits für die nötige Begleitung. Und obwohl voller Spielfreude, agierte das Ensemble stets streng am spanischen Vorbild orientiert, sodass man sich schon nach wenigen Minuten in einer schummrigen Bar im südlichsten Zipfel von Andalusien wähnte.

«Dies war nun schon unsere zweite erfolgreiche Flamenco-Veranstaltung», freute sich Rolf Lanz vom Kulturforum der Arbeitsgemeinschaft Wohnliches Schwerzenbach, das den Abend veranstaltet hatte. «Da die beiden Tänzerinnen ursprünglich aus Schwerzenbach kommen, lag ein Engagement natürlich nahe.»