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"Zürcher Oberländer" vom 12. Juli 2010

Das Ritterhauskonzert der Kantorei Zürcher Oberland stand dieses Jahr im Zeichen des feurigen Spanien und seiner Lieder

«Dass Spanien heute Abend im Final spielt, haben wir natürlich schon vor Monaten gewusst», scherzte Luzius Appenzeller, Dirigent der Kantorei Zürcher Oberland, «und haben darum für das diesjährige Ritterhauskonzert einen spanischen Abend geplant.» Dass der Dirigent gestern Abend ebendieser Mannschaft die Daumen drückte, bewies sein - entsprechend dem Chortenü - rotes T-Shirt mit der Aufschrift «España». Aber abgesehen davon: «Mit dem Ritterhauskonzert im Sommer bieten wir jeweils einen weltlichen Gegenpol zu den geistlichen Konzerten, die wir im Winter aufführen», führte der Dirigent aus, der der Kantorei schon seit mehr als zehn Jahren vorsteht. Das feurige Spanien mit seiner vielfältigen musikalischen Literatur habe sich dafür ideal, angeboten. Dem wurde das Programm «Olé - Flamenco - geistliche und weltliche Lieder aus Spanien» mehr als gerecht: Neben der abwechslungsreichen Stückwahl, die der rund 55-köpfige Chor gewohnt überzeugend interpretierte, unterstützte eine Dreierformation der Grupo Hechizo Flamenco aus Zürich mit temperamentvollen Flamencotänzen den Chor.
Das Konzert war in drei thematische Sätze unterteilt, die jeweils durch die Einlagen der Flamenco-Tänzerinnen abgeschlossen wurden. Im ersten Teil kam
ein Madrigal - das ist ein mehrstimmiges Vokalstück mit meist weltlichem Inhalt - aus der Renaissance zur Aufführung. Lateinische geistliche Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die unter anderen der Spanier Tomas Luis da Vittoria komponiert hatte, interpretierte der Chor im zweiten Teil; abschliessend kamen neue Volksmelodien zur Aufführung, die erst kürzlich von Komponisten neu interpretiert worden waren. «Für den Chor waren sicher die komplexen Sätze aus dem dritten Teil am anspruchsvollsten zum Singen», sagte Luzius Appenzeller. «Zudem sprechen nicht alle Sängerinnen und Sänger spanisch und mussten zuerst die korrekte Aussprache für die Lieder lernen.» Herausforderungen, die der Chor mit Bravour gemeistert hat, wie der Applaus des Publikums zeigte.
Überzeugende Tänzerinnen
Für die Grupo Hechizo Flamenco war es zwar nicht der erste Auftritt mit einem Chor, jedoch der erste in einem Saal wie demjenigen im Ritterhaus. «Schwierig wird es mit dem Hall werden», machte sich Gitarrist Oliver Bosshard vor dem Auftritt Gedanken, «hallt es zu stark, klingt die Musik nicht gut.» Im voll besetzten Saal war die Akustik jedoch ideal, und die Flamencotänzerinnen Sibylle Frei und Monica Casutt rissen die Zuhörer mit der «Sevillana», einem Duotanz aus dem andalusischen Sevilla, mit: «Traditionell haben die Zigeuner Flamenco getanzt», so Oliver Bosshard, «daher ist es kein generell spanischer, sondern vielmehr ein andalusischer Tanz, der geprägt ist von Rhythmus, Leidenschaft und Feuer.» (wf)